Surfmagazin Sylt
Wavepoints:

Binz Surf-City Teil 1 – Die erste Surfskate Rampe Deutschlands

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Binz – Surf City? Am letzten Wochenende waren wir auf der Ostseeinsel Rügen. Nur vier Stunden Fahrt waren es Richtung polnische Grenze. Doch eigentlich begann die Reise 2013, an einem grauen Februarmorgen in Frankfurt, führte uns von Sylt bis Barcelona und hoch nach Rügen. Und dort endet sie an einem strahlenden Spätsommertag am Strand von Binz.

surfskate rampe binz rügen

Vor neun Jahren führten wir ein Telefonat mit einer Firma aus Kalifornien. Zu diesem Zeitpunkt haben wir das „40inch Longboardmagazin“ publiziert und im Rahmen der „ISPO“, Skateboard Marken aus aller Welt betreut. Der Anruf kam von einem der Aussteller der Skateboard Branche. Der Marketingleiter des Herstellers bat uns, die Boards vom damaligen deutschen Distributor abzuholen, da diese in Deutschland offensichtlich nicht verkauft wurden.

Nachdem wir dies getan hatten, schauten wir uns genauer an, um was es eigentlich ging. Es waren Surfskateboards. Im Jahr 2013 ein für viele undenkbares, weil zu neues und scheinbar innovatives Gadget. Skateboarder, die von Haus aus tatsächlich eher konservativ sind, wollten mit dem Produkt aus Prinzip nichts anfangen. Der Longboardszene waren die wendigen Bretter zu wackelig. Wir machten uns auf den Weg, diese Boards in Shops in Deutschland, Frankreich, Spanien und den Niederlanden zu präsentieren. Das Feedback war identisch zu den bis dato geltenden Aussagen.

„Wie uncool, kompliziert, nicht anfängertauglich, das kommt mir nicht in den Laden…“

Doch drei Jahre später, als der Longboardboom ein jähes Ende erfuhr, änderte sich die Wahrnehmung innerhalb der Szene. Wir nahmen Kontakt zur Firma „Whitezu“ in Italien auf. Der Hersteller von Surfskate-Anlagen war von der Idee begeistert, eine der legendären „Whitezu Pro“ in München auf der ISPO aufzubauen. In den Folgejahren wurden auf der Münchener Sportmesse wiederholt Surfskate Rampen verschiedener Hersteller aufgebaut. Plötzlich boomte der Surfskatesport in Deutschland.

2021 waren die Boards überall ausverkauft. Nur die Gemeinden und Städte unterließen es, diese Rampen in ihr Stadtbild zu bauen. „Whitezu“ verschwand irgendwann im Laufe der Jahre aus unserem Blickfeld. Der polnische Hersteller „Wavepark“ konnte ncht unbedingt mit Qualität punkten. Eine gewisse Ratlosigkeit machte sich breit.

„Wo kriegen wir eine solche Surfskate Rampe her?“

Und dann lesen wir in der Ostsee-Zeitung den ersten Teil eines Artikels, der leider hinter einer Bezahlschranke versteckt ist. Auf der Insel Rügen sei eine „Wave“ installiert worden. Da müssen wir hinfahren. Aber wer ist verantwortlich dafür? Das Herausfinden des Baumeisters verläuft zäh.

Ein paar Tage später kontaktiert uns ein alter Bekannter: Der 11-malige Deutsche Meister im Stand-up Paddling Kai Steimer. Ihm hatten wir vor Jahren auf Fehmarn ein „Slide Surfskateboard“ geschenkt. Wie das Leben so spielt: Man sieht sich immer zweimal. Kai hatte mit seinem Partner Thomas eine SUP- und E-Foil-Station in Binz eröffnet und sollte die von der Stadt gebaute Surfskate Rampe betreuen. Einen Tag später fuhren wir auf die Insel Rügen, um ihn zu besuchen und etwas über die Idee hinter der Rampe zu erfahren. Wir erfuhren Erstaunliches…

Der Insel Rügen wurde vor Jahren vorhergesagt, dass – sobald sie erschlossen wäre, sie den Nordseeinseln den Rang ablaufen würde. Nordfriesen schmunzeln über den Gedanken. Einmal vor Ort friert das überhebliche Grinsen ein und weicht der Freude an einem solch schönen Platz zu sein.

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Abenteuerliche Häuser im Nirgendwo, die offensichtlich noch in der DDR erschaffen wurden, wechseln sich mit pittoresken Küstenstädten ab. Landschaften, die irgendwie aus bekannten Hollywood Blockbustern in die Gegend transferiert wurden. Schlösser (?), verwunschene Binnenseen und kleine Hexenwälder. Buchten, die an die französische Atlantikküste erinnern. Es ist unglaublich.  Quer über die Insel ist man gute 50 Minuten unterwegs. Gefühltes Festland. Mit dem Auto braucht man nur über die imposante Brücke bei Stralsund fahren. Von dort oben sieht man auf der linken Seite ein kleines Hafenstädtchen, das, wie ich finde, den Vibe der Insel widerspiegelt.

Binz Surf-City!

Aber das soll ja kein Reiseführer werden und doch muss ich auf das Thema Binz zu sprechen kommen. Ein längerer Sandstrand. Eine Seebrücke und in der Ferne ein urwald ähnliches Areal erinnern bei Sonnenschein an die Karibik. Vom Strand aus betrachtet, erscheint Binz mit seinen alten Gründerzeit-Villen, wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Man erwartet die Kutsche, die stehen bleibt, um den Adel abzuladen, der sich Gepäck von livrierten Bediensteten tragen lässt.

Der Anblick täuscht. Denn es scheint, als wenn der Tourismusdirektor Kai Gardeja Rügen neu erfinden will. Weg vom eingestaubten Image des Tagestourismus und dem Bustourismus. Zumindest was Binz betrifft, hat er uns in einem kurzen Gespräch seine Pläne offenbart. Uns hing immer noch die Kinnlade herunter, als wir auf der A20 zurück Richtung Heimat düsten.

Denkt an einen verschlafenen Küstenort. Die Seebrücke ragt einige Hundert Meter in die Bucht und längs dieser Seebrücke laufen durchaus brauchbare Longboardwellen. Zweimal am Tag erscheinen auf geradezu magische Weise Wellen, die so sauber geshapt sind, dass wir in der Ferne die Wellenmaschine von Kelly Slater suchen. Die Wellenmaschinen sind die Fähren, die die verschiedenen Küstenorte verbinden. Zwischen diesen Sets und bei flacher See surren die E-Foils verschiedener Anbieter durch die Bucht.

Einige surfen sogar in den Wellen der abfahrenden Fähre. Die Lampen an der Seebrücke wurde so montiert, dass man nachts Wellenreiten kann….  In einem Rondell an der Seemauer befindet sich ein großer runder Raum für die Community. Eine Fass-Sauna zum Aufwärmen, steht genauso bereit wie Material zum Surfen und ein kleiner Surfshop. Es klingt nach einer grotesk schönen Vision des Surfers Paradise. Doch – es ist wahr. So – und nun gesellt sich noch die stehende Welle hinzu.

Die erste Surfskate Rampe Deutschlands in Binz

Sie ist von der Konstruktion her eine Mischung aus Whitezu und dem polnischen Anbieter Wavepark. Sie wirkt durch den Unterbau sehr stabil – gleichzeitig variabel und somit leicht auf und abzubauen. Der Preis ist mit rund 24.000 Euro ebenfalls im Rahmen geblieben. Trotz der guten Bauweise liegt sie fast 10.000 Euro unter den Angeboten der Konkurrenz. Irritierten uns bei der Besichtigung die Platten auf der Oberseite, wurde uns später mitgeteilt, dass diese in farbige, dickere Platten getauscht werden.

Der Grip bei den bestehenden Platten war zwar durchaus ausreichend, doch schon nach der Aufbauphase zeigten die dünnen Provisorien erste Risse. Mit dem Austausch sollte dies allerdings erledigt sein. Der Winkel der Rampe ist auch für Einsteiger machbar, die sich natürlich erst einmal im Flat an die Steigung herantasten.

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Insgesamt ist die in Deutschland produzierte Rampe als sehr hochwertig zu bezeichnen. Vor allen Dingen in Bezug auf den Standort ist dies wichtig. Die Wave steht auf dem Hauptstrand in Binz und ist Sand, Sonne und Wasser ausgesetzt. Es stehen Boards zur Verfügung und wer will, kann dort kostenlos die Wave testen. Im Oktober wird die Welle abgebaut, denn der Herbst naht und damit die Überflutungsgefahr.

Und wir selbst kommen unserem Traum, einen Worldcup zu organisieren, ein ganzes Stück näher. Mehr Informationen über Binz findet ihr hier und in Zukunft auch im Surfmagazin….

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